Intelligenztheorien

Zu den frühen Intelligenztheorien zählen vor allem die sogenannten eindimensionalen Theorien. Sie reduzieren Intelligenz einzig auf das individuelle, bereichsunspezifische Anlagepotenzial eines Menschen. Wohl bekanntester Vertreter dieser Theorien war William Stern, der „Erfinder“ des Intelligenzquotienten.

Erst allmählich setzte sich in der Psychologie die Einsicht durch, dass Intelligenz verschiedene Anwendungsbereiche vereinen könnte und ein mehrdimensionaler Erklärungsansatz daher sinnvoller sei. Zu den bekannteren dieser neueren Theorien zählt u.a. die Zweifaktorentheorie nach Cattell. Der britisch-amerikanische Psychologe prägte den Begriff der fluiden Intelligenz, die durch den GF-Faktor ausgedrückt wird. Sie umfasst alle weitgehend angeborenen Leistungskapazitäten, die an allen kognitiven Leistungsprozessen beteiligt sind und nicht von der Umwelt beeinflusst werden können. Eine hohe Leistungsfähigkeit erreicht man nach Cattell jedoch nur durch sogenannte kristallisierte Intelligenz, die durch den GC-Faktor ausgedrückt wird. Sie umfasst neben explizitem Faktenwissen auch die Summe aller Einzelfähigkeiten, die erlernbar sind. Der anerkannte IQ-Test Kaufman Assessment Battery for Children (K-ABC) beruht auf Cattells Theorie.

Ein ebenfalls durchaus praxisrelevanter Ansatz ist das Berliner Intelligenzstrukturmodell (BIS) nach Jäger. Jäger entwickelte in den 1980er Jahren ein hierarchisch und bimodal (zwei Maxima bei einer Wahrscheinlichkeitsverteilung) strukturiertes, deskriptives Modell von Intelligenz. Dabei unterschied er zwischen den beiden Modalitäten Operationen und Inhalte sowie zwischen sieben Hauptkomponenten wie beispielsweise die Bearbeitungsgeschwindigkeit, Merkfähigkeit und zahlengebundenes Denken. Auf Basis seiner Theorie wird auch heute noch ein BIS-Test durchgeführt.

Eine der meistzitierten und verwendeten Theorien stellt jedoch die Theorie der multiplen Intelligenzen nach Gardner dar. Er vermutete erstmals eine Unabhängigkeit von kognitiven Fähigkeiten und Begabungen und belegte seine Vermutungen experimentell. In der Folge entstand eine Liste mit zuletzt neun Intelligenzbereichen bzw. Intelligenzformen, die im Folgenden näher vorgestellt werden sollen.