Anwendungsfelder von Intelligenztests

Viele Menschen, die eine durchschnittliche Begabung aufweisen, gehen davon aus, dass eine Hochbegabung ein Segen sei. Das kann, muss aber nicht so sein. Gerade Kinder, bei denen die Hochbegabung nicht erkannt wird, leiden nicht selten unter ihrer Gabe. Es können schulische Schwierigkeiten und Verhaltensauffälligkeiten auftreten, obwohl das Kind hochbegabt ist. Gründe hierfür sind in vielen Fällen Unterforderung und Resignation.

Hochbegabung zu erkennen ist somit wichtig. Nur wenn wissenschaftlich festgestellt wurde, dass eine Hochbegabung vorliegt, kann man entsprechend handeln und fördern. Auch zum Erkennen von Hochbegabung werden Intelligenztests in unterschiedlichen Varianten eingesetzt. Dabei ist es durchaus möglich, dass ein und dieselbe Person bei unterschiedlichen Tests unterschiedlich gut abschneidet.

Eine Hochbegabung liegt in der Regel dann vor, wenn ein IQ-Wert von über 130 festgestellt werden kann. Wer diesen Wert nicht erreicht, allerdings noch einen IQ von über 120 aufweist, gilt in der Regel als überdurchschnittlich intelligent. Hochbegabte können, wenn sie Austausch mit ähnlich begabten Menschen wünschen, einer Hochbegabtenvereinigung beitreten. Große Bekanntheit genießt hier etwa Mensa International, eine Organisation, die unter anderem selbst die Durchführung von IQ-Tests anbietet. Zudem können bei Erkennung von Hochbegabung Fördermaßnahmen eingeleitet werden - etwa durch den Besuch besonderer Schulen oder durch einzelne Förderprogramme von Verbänden, die sich der Hochbegabtenförderung widmen.

IQ-Tests im Schul- und Vorschulalter

Intelligenz und Bildung sind nur bedingt voneinander abhängig. Aus diesem Grund kann auch die Intelligenz von Kindern, die noch keine langen Bildungswege durchschritten haben, getestet werden. Zu diesem Zweck gibt es spezielle IQ-Tests, die sich von denen für Erwachsene unterscheiden. Unterschiede hinsichtlich der Tests gibt es auch entsprechend der Altersstufe von Kindern, da sich die Intelligenz mit dem Alter verändert. Wussten Sie schon: Tendenziell nimmt die Intelligenz mit steigendem Alter ab - als Kinder erreichen wir in IQ-Tests häufig bessere Werte denn als Erwachsene.

Intelligenztests, die aussagefähig sein sollen, sollten immer - egal, ob sie sich an Erwachsene oder Kinder richten - wissenschaftlich fundiert sein und von qualifiziertem Personal durchgeführt werden. Infrage kommen hier zum Beispiel Psychologen, die sich der Interpretation solcher Tests fachlich widmen können.

Wird ein IQ-Test im Schul- oder Vorschulalter durchgeführt, kann das Ergebnis positiven Einfluss auf den weiteren Lebensweg des Kindes haben. Der frühe Durchführungszeitpunkt kann dazu beitragen, dass Weichen für das weitere Leben rechtzeitig gestellt werden. Würde ein solcher Test beispielsweise ans Tageslicht bringen, dass eine Hochbegabung vorliegt, könnte das Kind besser gefördert werden. Nicht selten können so Unterforderung und Resignation, die sich psychisch negativ auswirken können, vermieden werden. Egal ob ein IQ-Test ein über- oder ein unterdurchschnittliches Ergebnis erkennen lässt: Eltern sollten in einer solchen Situation Beratung in Anspruch nehmen, um die Begabungen ihres Kindes ideal fördern zu können.

Ambitionierte Eltern, die ihr Kind als hochbegabt wahrnehmen, sollten Abstand davon nehmen, ihr Kind auf einen IQ-Test durch übungsaufgaben vorzubereiten. Ein IQ-Test hat nicht den Zweck, antrainiertes Wissen zu bewerten. Er soll vielmehr eine Aussage über die generellen kognitiven Fähigkeiten des Kindes liefern.

IQ-Tests bei Eignungstests und Einstellungstests

In einer Welt, in der sich auf eine ausgeschriebene Stelle im Regelfall eine Vielzahl von Interessenten bewirbt, nimmt die Bewerberauswahl einen hohen Stellenwert ein. Bei einer solchen Bewerberauswahl können auch Eignungstests und Einstellungstests durchgeführt werden. Personalverantwortliche versprechen sich von solchen Verfahren, den am besten passenden Kandidaten für eine Stelle identifizieren zu können. Eignungs- und Einstellungstests können dabei sehr unterschiedlich aufgebaut sein - nicht selten weisen sie auch einen Teil auf, der die Intelligenz des Bewerbers testen soll.

In einem solchen Teststeil werden häufig Aufgaben gestellt, die das logische, technische, mathematische und sprachliche Potenzial des Bewerbers testen sollen. Dabei ist es wahrscheinlich, dass im Rahmen eines Einstellungstestes kein vollständiger wissenschaftlicher IQ-Test durchgeführt wird, der von einem Psychologen ausgewertet wird. Die Tester versprechen sich zumeist allgemeine Aussagen über die Fähigkeiten des Bewerbers. Zu diesem Zweck greifen sie oftmals auf gängige Aufgaben zurück, auf die sich der Bewerber zumindest ein wenig vorbereiten kann. Beispiele für solche Aufgaben wären etwa Sprachanalogien, Figurenreihen, die ergänzt werden müssen, und das mathematische Lösen von Textaufgaben. Im Rahmen eines Einstellungstestes wird dementsprechend häufig eher bewertet, wie der Bewerber in bestimmten Feldern seine Intelligenz anwendet, als dass eine komplette Analyse der Intelligenz vorgenommen wird.

IQ Tests im Strafrecht?

Insbesondere in den USA haben IQ Tests auch schon eine Rolle im Strafrecht gespielt. IQ-Tests wurden und werden hier zum Beispiel durchgeführt, um zu prüfen, ob bei einem Täter eine geistige Behinderung vorliegt, welche die Tat beeinflusst haben könnte. In den USA gibt es die Regelung, dass geistig Behinderte nicht mit der Todesstrafe bestraft werden dürfen. In der Folge haben schon viele Anwälte versucht, mithilfe eines IQ-Tests die unterdurchschnittliche Intelligenz ihres Mandanten zu beweisen, um ihn oder sie vor der Todesstrafe zu bewahren.

Nicht nur Hochbegabung sondern auch geistige Behinderungen und Lernbehinderungen können mit einem Intelligenztest diagnostiziert werden. Eine geistige Behinderung wird nicht selten bei einem IQ-Wert von unter 70 unterstellt. Die Anwendung von IQ-Tests im Zusammenhang mit strafrechtlicher Verfolgung und Sanktionierung ist allerdings gleich in mehrfacher Hinsicht problematisch.

Zum einen ist es problematisch zu unterstellen, dass ein niedriger IQ quasi gleichzusetzen ist mit einer Art von Unzurechnungsfähigkeit. Diese Annahme könnte im Extremfall zu einer Ungleichbehandlung von normal begabten und minderbegabten Menschen führen, wobei erstere Nachteile zu befürchten hätten. überdurchschnittlich begabte Personen müssten - wenn die zugrunde liegende Logik von der anderen Seite betrachtet werden würde - eventuell sogar damit rechnen, dass ihre Tat vor dem Hintergrund ihrer Begabung als besonders schwerwiegend gewertet werden würde.

Zum anderen ist es nachvollziehbar, dass Menschen, die eine geistige Behinderung aufweisen, einen besonderen Schutz benötigen und nicht zwingend gleichzusetzen sind mit Menschen, die ihre Handlungen und deren Konsequenzen exakter durchdenken können. Insgesamt betrachtet bewegt sich die Justiz aus ethischer Perspektive, wenn sie Bezug auf den IQ-Wert eines Täters nimmt, auf relativ dünnem Eis. Naheliegend ist hierbei, dass der IQ nicht in jedem Fall der entscheidende Faktor für die Strafbemessung sein kann, sondern dass zum Beispiel auch soziale Faktoren weiterhin berücksichtigt werden müssen.

IQ Test für Einwanderer?

Wer die deutsche Staatsbürgerschaft verliehen bekommen möchte, muss in der Regel einige Kenntnisse nachweisen. Aktuell werden beispielsweise Kenntnisse der deutschen Sprache verlangt, darüber hinaus von einer Vielzahl von Einbürgerungswilligen aber auch ein Wissenstest über die Bundesrepublik Deutschland. Auch die Verfassungstreue kann in Einbürgerungsgesprächen getestet werden. Die deutsche Sprache zu beherrschen, wichtige Fakten über Deutschland zu kennen und sich zum neuen Heimatland zu bekennen kann als wichtig für eine erfolgreiche Integration angesehen werden.

Doch wie steht es um IQ-Tests? Kann Intelligenz in Deutschland eine Voraussetzung für die Einbürgerung werden? Die Durchführung eines solchen Tests vor der Einbürgerung wurde von Politkern bereits vorgeschlagen. Hintergrund für diesen Vorschlag ist mit hoher Wahrscheinlichkeit, dass lediglich eine qualifizierte Einwanderung gewünscht wird. Der Vorschlag, IQ-Tests für Einwanderer durchzuführen, ist verständlicher Weise allerdings enormer Kritik ausgesetzt. Befürchtet wird, dass ein solcher Test zur Diskriminierung führen würde. Auch wenn man die Einwanderung weiter reglementieren wollen würde, wären IQ-Tests sicherlich nicht das richtige Mittel der Wahl. Hierdurch könnte - je nach Strenge des Tests - ein Einwanderungspotenzial verlorengehen, auf das Deutschland angewiesen ist. Schließlich werden vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklungen in Deutschland auf lange Sicht nicht nur hoch qualifizierte Neubürger benötigt, sondern auch solche, die beispielsweise Tätigkeiten in Lehr- oder Pflegeberufen ausüben, für die sich in Deutschland nicht genügend Nachwuchs findet.